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Irland: Dingle, Kerry und Beara-Halbinseln


6 tägige Fahrradtour auf den irischen Halbinseln Dingle, Kerry und Beara.

 

1. Etappe: Tralee - Dingle 92,0 km
2. Etappe: Dingle - Killorglin 108 km
3. Etappe: Killorglin - Waterville 92,0 km
4. Etappe: Waterville - Valencia - Waterville 72,0 km
5. Etappe: Waterville - Killarney 104,0 km
6. Etappe: Rund um Beara 107,0 km

 

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Samstag, 24. Mai


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Flug mit Aero Lloyd von Frankfurt 6.15 Uhr nach Shannon.
Nach der Ankunft zählen wir nochmals unsere 15 Gepäckstücke, ( 3 Fahrräder, je 2 oder drei Gepäcktaschen, das "Gute" zum Anziehen in einem Extrapack, Fahrradständer fürs Auto, weil es den nicht zu mieten gibt), dann übernehmen wir den vorgebuchten Astra von Avis.
Die erste Überraschung: der Astra sieht gar nicht so aus, wie unsere Astras: er hat einen zusätzlichen "Arsch" nach hinten, was dem Ladevolumen im Kofferraum sehr entgegenkommt, aber alle Trockenübungen zur Installation des mitgebrachten Fahrradständers waren damit überflüssig. Wir überlegen neu; aber jede Art der Montage sieht ungewohnter aus, als die vorherige.

Wir starten um 10.30 Uhr mit dem Auto in Richtung Limerick. Über kleine Landstraßen erreichen wir nach einem Abstecher in ein idyllisches Privatgelände das Gebiet um den Lough Gur.

Ein Steinkreis stimmt uns auf das nun Kommende ein.

Malerische Kapelle Lough Gur (Bild laden)

Wir besichtigen und fotografieren auf's Intensivste eine zerfallene, malerisch gelegene Kapelle. Hier siedelten schon in der Eisenzeit die damaligen Bewohner Irlands.
Sie wußten schon, wo es schön ist.

Eindrucksvoll zwischen grünen Hügeln gelegen, liegt ein tiefblauer See, umgeben von blühenden gelben Iris, rosa Rhododendren und intensiv roten Fingerhüten. Ein Besucherzentrum, in zeittypisch rekonstruierten Hütten, informiert mit einem Multimediavortrag (auch in Deutsch) über das Leben und die Geschichte der Bewohner. Ein "early christian site" zeigt uns wie die frühen Christen in Irland lebten, der Rest der Besiedlung ist wesentlich älter.

Der nächste Stopp mit Teatime ist in Adare, einem anschaulichen Touristenort mit reetgedeckten Häusern, einer alten Kirche und riesigen Parkanlagen.

Die schönsten Teile gehören dem dortigen Golfclub. Wir wandern in ein schlossartiges Anwesen mit Golfplatz. Ingrid erklärt uns hier, daß sie demnächst aussteigt und uns dann immer wieder nach Irland einlädt. Kauft sie den Golfplatz oder das Manor House?

Zwischenzeitlich hat die Sonne eine solche Intensität, daßsswir gehörig schwitzen und ganz auf "kurz" umstellen. Über Land fahren wir durch blühende Frühlingslandschaften in Richtung Westküste nach Listowel. Dort erreichen wir die uns vom Vorjahr bekannte Nord-Südverbindung nach Tralee. Gegen 18.00 Uhr erreichen wir unser bewährtes "Rosedale Lodge" . Der Hausvater empfängt uns und steht bei der Fahrradmontage schon zu Diensten.

Die Auto-Crew gönnt sich während unserer technischen Aktivitäten schon ein Sonnenbad im bunr blühenden Garten.
Nach dem Zimmerbezug führt uns der Hunger sehr schnell zum "Grandhotel" in die Innenstadt. Als wir zwei Busse vor dem Hotel stehen sehen, ahnen wir schon: "sorry, we are fully booked". Im Nebenhaus "Hotel ...." finden wir schließlich Platz und ordern den ersten Pimms, den wir aber als Bausatz: Pimms mit Eis, Ginger Ale und gestiftelte Gurken erhalten. Sorry, we are not british.

Wir essen: (natürlich das Menü)
gegrillte Krabbenzangen
schmackhafte Gemüsesuppe
gegrillter Lachs
Nachtisch

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Sonntag, 25. Mai


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Ein ausgiebiges Frühstück, vielfältig und nach eines jeden Geschmack schafft die Grundlage für eine Woche Urlaub; die Sonne hat sich für uns eine Woche Zeit genommen und der Hausherr hat zwischenzeitlich unsere Fahrräder schon startbereit aus seinem Schuppen geholt. Was wollen wir mehr?

Nach dem Packen, Eincremen und so weiter, starten wir gegen 10.30 Uhr mit den besten Wünschen der Vermieterin. Erster Halt nach 300 m: Sonja bemerkt, dass sie ihre Satteltaschen verkehrt herum montiert hat. Kein Problem, nach kurzer Zeit geht es richtig los.

Wir fahren durch die Innenstadt, um dem Hauptverkehr aus dem Wege zu gehen.

Hinter Tralee müssen wir vorerst auf der Straße N86 in Richtung Castlegregory, entlang der Brandon Bay fahren. Auf der rechten Seite begleiten uns die gewaltigen, über 800 m hohen, "Slieve Mish Mountains".

Der Verkehr hält sich glücklicherweise sehr in Grenzen. Bei Camp zweigen wir auf eine Regionalstraße ab.

Rhododendronhecken Bei Camp (Bild laden)

Auf der rechten Seite begleitet uns der Blick auf das tiefblaue Meer. Die Wiesen entlang der Straße sehen aus, als wären sie für die Gartenschau angepflanzt: riesige Areale mit gelbblühenden Iris (ähnlich denen der Toskana) wechseln sich ab mit Inseln aus senkrechtstehen, derben Gras. Dazwischen eifrig fressende Schafe, die - weil sie manches mehr und manches weniger mögen - unbewußt zum Landschaftsgärtner werden.

Von allen Seiten werden wir begrüßt, der Bauer auf dem Traktor hebt die Hand, der entgegenkommende Autofahrer winkt freundlich und der Passant an der Straße feuert uns mit einem "a lovely day" an. Sonne von oben und Freundlichkeit von allen Seiten, wir fühlen uns wie die Größten!

Bei Stradbally weist uns ein Schild darauf hin, dass noch Größeres, Anstrengenderes bevorsteht: "Connor Pass" 8 km.

Noch geht es ziemlich eben nach Kilcummin. In den vom Regen der Vorwochen noch nassen Feldern wachsen unzählige gelbe Lilien. Zahlreiche Fotos entstehen schon hier, weil jeder Blick etwas Unwiederholbares hat. Die Ortschaften die jetzt kommen sollten, sind zwar auf der Karte bezeichnet und tragen ehrfürchtige Namen wie: "An Baile Dubh" oder "Droichead na Dromann", in Wirklichkeit sind es nur weit auseinander stehende Gehöfte, deren Zusammenhalt als Ort für uns nicht erkennbar ist. Als wir den "Scorid River" überqueren, zeigt der Höhenmeter die Zahl 50 m an, es stehen uns also noch weitere 400 m bevor.

Scorid River beim Conner Pass (Bild laden)

Auf 150 m Höhe erste Pause und noch ein paar Verhaltensregeln an die Fahrradpartnerinnen. Von hier an fahren wir, jeder in seinem eigenen Tempo weiter nach oben. Jeden Fels und jede Kurve erleben wir, als müssten wir sie für immer wiedererkennen. Rechts unter uns, am Fuß des Brandon Massivs, liegen vier Seen; am Hang windet sich ein alter Pilgerpfad.

Auf 337 m (so steht's in der Karte) passieren wir einen See, der einen Wasserfall speist. Ab hier wird es traumhaft: eine schmale steile Straße, eingehämmert in den puren Fels, jede Kurve wäre ihr eigenes Foto wert. Tapfer fahren wir alle nach oben in Richtung der Aussichtsplattform. Es folgt das obligatorische Gipfelfoto. Für Petra und Sonja ist es der seither höchste zusammenhängende Anstieg und beide haben es problemlos gemeistert.

Ein im Auto sitzender Amerikaner findet es "great" was wir machen und fragt uns aus.

Nach kurzer Erfrischungspause geht's bergab.

Die Südseite ist auch schön, aber sanfter, flacher und weniger felsig. Ein weiter Blick auf die Dingle Bay belohnt uns hier. Dingle und sein Hafen liegen in einem riesigen, geschützten natürlichen Hafenbecken mit nur engem Zugang zum Meer. Von oben glaubt man, es sei ein See.

Eine kilometerlange Abfahrt nach Dingle macht uns so aktiv, dass wir nach Bezug unseres B&B's wieder auf Tour gehen wollen.

Das B&B "The Captains House" findet unseren uneingeschränkten Zuspruch. Mitten im Ort gelegen, ist es ideal für abendliche Unternehmungen. Ein Schild weist uns auf die höchste Auszeichnung des staatlichen Fremdenverkehrsamtes hin: "The Best in 1996". Man sieht es auch.

Das beste familiengeführte Hotel könnte nicht liebevoller und sauberer ausgestattet sein. Die Hausherrin besteht darauf, dass wir im traumhaften Garten einen Tee mit irischen Bisquits und Kuchen einnehmen. Kostenlos! Bevor wir losfahren, lassen wir die freundliche Wirtin, deren Gatte Gärtner ist, oder zumindest Pflanzen und Büsche aus seinem märchenhaften Garten verkauft, einen Tisch in einem Restaurant "The half Door" bestellen.

Ohne Gepäck fahren wir durch den Hafen in Richtung Ventry. Über eine breite Landzunge erreichen wir bei "Cill Mhic an Domhnaigh" das offene Meer. In diesem Gebiet wird zu unserem Leidwesen fast ausschließlich gälisch gesprochen, kein Wegweiser in Englisch; wir fühlen uns wie in Usbekistan.
Zwei junge Damen sprechen mich während einer Pinkelpause (der Fahrradpartnerinnen) an, ob ich wüßte, wo das keltische Dunbeg Fort läge; ich wußte es nicht, finde es auch nicht auf der Karte, dort steht nur: Dun Cinn Tire (gälisch, heißt aber dasselbe).

Ein gälisches Wörterbuch würde hier gute Dienste leisten.

Wir fahren weiter der Küste entlang, beeindruckt durch das smaragdfarbene Wasser, das sich in weißer Gischt an schwarzen Felsen stößt. Hier ratscht der Kameraverschluss mehrmals!
Auf dem weiteren Weg treffen wir wieder auf die Fahrräder der jungen Damen und vermuten richtig, dass auch wir die Festung aus der Eisenzeit erreicht haben. Auf einer felsigen Landzunge hatten die Bewohner dieser "Dun" (=Burg) ein Ringfort mit zwei Ringmauern aus Fels gebaut, zum Schutz gegen Landangriffe sind vier Wälle und fünf Erdgräben vorgelagert. Teile innerhalb des "Dun's" sind unterkellert. Nach der Radiokarbonmethode werden Bereiche dieser Anlage auf 580 vor Christus datiert.

Auf der Weiterfahrt sehen wir mehrere bienenkorbartige Steinhäuser.
Als nächstes erreichen wir Slea Head, die felsige Süd-Westspitze Dingles.

Slea Head an der Westspitze (Bild laden)

Im Hintergrund sieht man die Skelligs. Wir folgen, alle 50 m haltend, der Küstenstraße nach Norden, passieren Dunmore Head, eine Halbinsel mit Burg und glauben nach Dunquin zu fahren.
Aber es kommt kein Dunquin.
Wir passieren wahrscheinlich den Ort Dun Chaoin, der aus ein paar Häusern besteht, aber kein Ortsschild besitzt. Die grünen Wiesen entlang der Berge sind wie überall in Irland mit Steinmauern gegeneinander abgegrenzt, doch hier ist die normale quadratische Regelmäßigkeit unterbrochen, denn die Mauern laufen zentrisch auf alte Ringforts zu. Mancherorts scheint es, die alten Ur-Iren hätten erst vor Stunden ihre Wohnsitze verlassen.

Im Dunquin, das es als Ortsschild nicht gibt, hätten wir links über die Berge abzweigen sollen. Es kommt nicht, also fahren wir weiter.
So fahren wir und hoffen endlich einen Ort auf der Karte wieder erkennen zu können.
Erst in Ballyferiter (auch ohne Ortsschild) bestätigt uns ein Autofahrer, wo wir sind. Die Uhr war zwischenzeitlich so weit fortgeschritten, dass wir uns sputen müssen, den Termin zum Essen einhalten zu können.
Über eine Hügelkette erreichen wir Ventry und sind Viertel vor acht Zuhause. Zum Duschen müsste es noch reichen. Die Wirtin teilt uns mit, dass wir erst Viertel nach Acht essen können. Glück für uns, es reicht sogar noch zum Eincremen.

Wir haben in 4 Stunden 59 Minuten 92 km und 965 Höhenmeter zurückgelegt.

Nach schnellem Duschen stehen wir pünktlich im Restaurant.
Wir trinken erst einen Pimms,
Vorspeise: überbackene Krabben
Hauptspeise: Heringskönig, (John Dory), Monkfish, Gemüse, Kartoffeln
Wein: Muscadet sur Lie, dann Kaffee.

Zum Abschluß gehen wir in einen Pub und trinken einen köstlichen irischen Whiskey.
Zurück im B&B erkennen wir wie toll die Hauswirtin alles gerichtet hat, die Tagesdecke ist zurückgeschlagen, alles "bettfertig", sogar ein Gutenachtgruß liegt auf dem Bett.
Wir schlafen prächtig.

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Montag, 26. Mai


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Erst Hafenbesichtigung um 8.30 Uhr, dann um halb neun Frühstück im ausgezeichneten B&B: Fruchtsaft, Büfett der Serials, Grapefruitsegments, Obstsalat, Joghurt usw. dann Skipper, heiße gerauchte kleine Heringe in einer kalorienreichen Buttersoße, viel brown Bread, damit die Soße nicht übrig bleibt..
Zum Abschluß essen wir Toast mit hausgemachter Marmelade.

Um 10.30 Uhr starten wir auf der N86 in Richtung Annascaul. Durch die breite gerade Straße, rechts und links zwar landschaftlich schön, glaubt man, nicht voranzukommen.
Erst in Lispole zweigen wir in Richtung Minard Castle ab. Über Hügel geht es hinunter zum Strand.

Minard Castle Minard Castle (Bild laden)

Traumhaft liegt die stark verfallene Burg am Meer. Ein senkrechter Riss teilt sie längsseits. Sie soll für Touristen gesperrt sein.
Ein sagenhafter Sandstrand schließt sich der angrenzenden Bucht an.
Durch ein Tal erreichen wir die Red Cliffs, eine rote Felswand mit beeindruckendem Blick auf die Kerryhalbinsel.
In Richtung Osten kann man schon die Halbinsel Inch, eine fast weiße Sandbank erkennen. Wie in südlichen Ländern geht's direkt am Meer auf einer Küstenstraße weiter nach Inch.
Am Kiosk - so etwas gibt es hier - machen wir eine kurze Pause und schreiben die ersten Karten. Weiter geht's über Aughits nach Castlemaine.
Auf diesen Straßen begegnen uns erstmals die bekannten Pferdewagen. Meist läuft der Papa neben dem armen Pony her, zwei Kinder und die Mama, meist noch ein Hund, sitzen auf dem Kutschbock und träumen vor sich hin.
Nach einer halben Stunde sind wir 15.45 Uhr in Killorglin.
Wir sind erst 53km gefahren - unser lascher Tag.
Im "Manor Inn" finden wir Unterkunft.

Ich fahre, weil es relativ nah liegt, entlang dem "River Laune" noch zum Gap of Dunloe. Über Beaufort erreiche ich die Pforte zu den "Macgillycuddy's Reeks", wie die über 1000 m hohe Bergkette dort heißt.
Ein riesiges Naturschutzgebiet!
Das Gap of Dunloe beginnt in einem wasserreichen Naturschutzgebiet als enges Tal und erreicht oben, auf seiner Spitze eine Bergkette parallel dem Molls Gap, das nach Killarney führt. Die Straße windet sich entlang des kleinen Flusses "River Loe" von See zu See nach oben.
Der Coosaun Lough" macht den Anfang. Etwas höher, eingebettet zwischen Bergen liegt der einiges größere "Black Lake". Die Straße ist teilweise nur gewalzt und mit weißen, staubigen Steinen geschottert.
Sagenhaft der Ausblick rechts und links. Weißer Staub vom Schotter überall. Mein Schweiß wird zur Dreckschicht, Biopeeling.!
Die Straße steigt weiter, der nächst höhere See heißt "Cushnavally Lake". Über Steinbrücken geht es höher und höher.
"Auger Lake" nennt sich der nächst höhere See. Die Straße steigt jetzt sehr steil nach oben.

Gap of Dunloe Vor dem Gap of Dunloe (Bild laden)

Im Hochtal liegt der Black Lough. Blauschwarzes Wasser und roter Fels. Kurz nach dem Gap Cott, kurz unter dem Head of Gap muss ich umdrehen, weil die Zeit zur Rückfahrt sonst nicht mehr reicht. Schließlich will ich pünktlich sein. Die Abfahrt ist genauso traumhaft wie der Aufstieg. Auch viele Bilder können nicht zeigen, wie eindrucksvoll die Landschaft dort ist.
Kurz nach halb acht bin ich wieder in Killorglin und treffe auf der Straße Sonja und Petra.

Nach dem Duschen sitzen wir kurz nach Acht im "Nicks Restaurant", einem ausgezeichneten Restaurant mit vielen "Awards". Wieder Pimms, Seafood Plate mit dem besten, auf der Zunge zergehenden Lachs, Meeresfrüchte, Fischfilets und zweimal brown Bread. Dann ein Trio von Lachs, Monkfish und John Dory (Heringskönig) mit Gemüse und Kartoffeln.
Abnehmen kann wer will!
Whiskey und gemütlicher Gesang von mehreren Gästen beenden den Abend.
( Allgemeinteil: 53 km, 370 Höhenmeter, mit Gap of Dunloe 108 km und 820 Höhenmeter)

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Dienstag, 27. Mai


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Frühstück um 8.30 Uhr, weil es vorher nichts gibt. Start mit dem Fahrrad um 9.30 Uhr in den berühmten Ring of Kerry.
Weil wir in den Reiseführern viel über den wahnsinnigen Verkehr gelesen hatten, waren wir gespannt, was auf uns zukommt. Über eine absolute Nebenstraße starten wir in Richtung Lough Caragh. Heute sind erstmals drei Wolken am Himmel.
Rhododendren und Ginster säumen den ganzen Weg. In Lake Field fahren wir durch Haine von blühenden Büschen bergauf mit traumhaften Blicken auf den See. Die Landschaft wechselt schlagartig von Irlandgrün in schottisches Hochgebirge.
Kahle Bergrücken, heidebewachsen, und dazwischen tiefblaue Seen. Ab und zu ein weiter Blick auf die Dingle Bay.

Die Sonne hat sich behauptet und wir schwitzen vor uns hin. Der Weg zieht sich zäh durch Hochmoorgebiete immer weiter nach oben.


Hochmoorgebiete Durchs "Hochland" (Bild laden)

Schon glauben wir uns fast oben, kommt noch eine kurze, absolut kernige Steigung, die fast nicht mehr im untersten Gang machbar ist.
Das Gepäck zieht gewaltig nach unten, aber wir schaffen es.
Dann geht's auf dem schmalen, holprigen Weg bergab. Er ist so uneben, dass wir mehr bremsen als im Schuss die Abfahrt zu genießen. Bald beginnt wieder die Rhododendron-Ginster-Grenze.
Faszinierend wie einig sich diese Pflanzen sind, ab welcher Höhe sie wieder wachsen und blühen.
An der hinteren Talsohle überqueren wir den River Caragh, der mit seinem Wasser den mehrere Kilometer langen gleichnamigen See speist.
Der anschließende vermeintliche Talweg auf der Nordseite des Sees bringt uns in seiner Pracht viele Fotostopps.

Postkartenmotiv Beim Lough Caragh (Bild laden)

Am Ende des Sees treffen wir wieder auf die N70 und machen in einer Raststätte eine kurze Kaffeepause. Der Verkehr hält sich erfreulicherweise sehr in Grenzen.

Zwischenzeitlich hat sich der Wind auf unsere Rückseite gedreht und wir fahren wie junge Götter auf der leicht ansteigenden Straße nach Glenbeigh. Hier verlassen wir kurz die Küste, um einen, dem Meer zugewandten Bergkamm zu umfahren.

Bei Coolnaharragill Upper erreichen wir den Pass und fahren in einer berauschenden Abfahrt zum Meer hinunter.
"Isch des schee" (ist schwäbisch und heißt auf amerikanisch "wonderful") höre ich auf beiden Ohren.
Das blaueste aller blauen Wasser und das bei klarem Himmel und 25°C im Mai in Irland.
Smaragdfarben leuchten die weißen Felsen.

Traumsicht auf die Bay (Bild laden)


Aus einem parkenden Auto am Randstreifen tönt der Teekessel auf dem Gaskocher. It's Teatime!
Wir halten noch so manches Mal, bis wir eine Raststätte bei Kells erreichen.

Der Rückenwind beschert uns eine weitere Traumfahrt bis Cahersiveen, einem geschäftigen Marktflecken mit Tourismus. Auf den restlichen 17km bis zum Etappenende Waterville dreht sich der Wind und es geht über manche "Huppel".
Petra sucht aus dem B&B-Führer eine geeignete Unterkunft aus, die wir für zwei Tage beziehen.
Vor dem Duschen fahre ich noch kurz in die Stadt, suche eine Essmöglichkeit und drehe noch eine Runde entlang des Lough Currane.

Strecke: 92 km, Höhenmeter: 990m

Abendessen im "Sheilan":
erst Pimms
Vorspeise: frischer Lachs
Hauptspeise: ganzer Steinbutt in seiner Soße, Gemüse und Kartoffeln
Nachspeise: eine Art mürber Kuchen mit Soße
hinterher kurzer Besuch im Pub: verschiedene Whiskey.

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Mittwoch, 28. Mai


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Es klappt immer besser: Abfahrt um 9.32 Uhr.
Von Waterville fahren wir zurück über den River Inny auf Nebenstraßen in Richtung Ballinskelligs. Blühende Agaven säumen den Weg. Wir fühlen uns wie auf einer Marokkanischen Strandstraße. Unsere Karte ist gespickt mit Hinweisen auf Megalitic Tombs, Standing Stones, Burial Grounds und Castles.
Wir ergreifen die Gelegenheit beim Schopf und suchen das erstbeste "Fulacht Fia" aus. Wir finden nichts, aber wir wissen auch nicht was wir suchen. Beim nächsten "Megalitic Tomb" haben wir mehr Glück.
Wir sehen schon von Weitem das Steingrab, finden aber keinen Eingang. Über Gräben und die hier verbreiteten, bewachsenen Steinmauern erklettern wir uns einen Zugang.

Nach geschichtlichen Rückblicken auf Druiden und Tristan & Isolde machen wir eine allgemeine Pinkelpause und starten den Rückzug.
Weiter geht's zur Burgruine auf einer Sandbank vor Ballinskelligs. Rechts am Strand eine Klosterruine (Ballinskelligs Priory).

Sandbank vor Ballinskelligs (Bild laden)

Richtung "Coom", das sich beim Passieren als Ort mit zwei Häusern enthüllt, sehen wir zwei weitere Tombs (Stein-Gräber). Hinter dem Pass Traumaussicht auf die Skelligs und die Saint Finan's Bay.
Die Küste besteht hier aus nahtlos in das Meer gezogenen Felskämmen. Granithart widerstehen sie seit Jahrhunderten dem Meer. Grüne Felsen schimmern durchs blaue Meer.
Noch oft halten wir bis Cloghanecanuig (ca. 10 Häuser) und beginnen den steilen Aufstieg bis zum Abzweig zur Straße mit Ausblick zum Puffin Island.
Apfelpause, vor uns der Puffin Sound, eine Meerenge zur Insel, die nach den hier in großer Zahl lebenden Papageientauchern benannt ist. Weiter hinten "Great Skellig" und "Little Skellig", zwei Zuckerhüte aus Fels. Dazwischen der kleine "Lemon Rock".

Puffin Island (Bild laden)

Wir fahren weiter, der steilste Stich der ganzen Tour, aber mit Traumaussicht. Oben angekommen: Aussicht auf beide Seiten.
Richtung Norden auf Portmaggee und das vorgelagerte Valencia Island, nach Süden nochmals die St. Finanas Bay. Great!

Nach kurzer Besichtigung der felsigen Küste, Pause in Portmagee. Weil´s bei den Nachbargästen so gut aussieht, esse ich noch kurz ein "Seafood Platter" mit ganz tollen frischen Fischen.
Über eine Brücke nach Valencia Island führt uns die weitere Tour. Wie ein langgezogener Vulkan liegt die Insel vor Portmagee. Auf dieser Seite ist sie über eine moderne, in der Mitte drehbare, Brücke befahrbar. Im Osten in Knights Town fährt eine Fähre zum Festland. Laut Karte soll es hier von vor- und frühchristlichen Resten nur so wimmeln. Uns interessiert mehr der Blick in Richtung Dingle und wir fahren zur Schonung der Kräfte für die morgigen Pässe nur soweit, bis wir den gewünschten Blickpunkt erreichen.

Zur Insel Valencia (Bild laden)

Auf dem Weg zurück halten wir kurz an einem Heritage Center, in dem Geschichte, Pflanzen und Tierwelt der Skelligs gezeigt werden. Nach dem Gougane River zweigen wir rechts in die Berge ab, um die Fahrt auf der Nationalstraße zu vermeiden. Knappe 200 m steil nach oben, es macht uns nur noch wenig aus. Über dem Berg treffen wir wieder auf die Agavenstraße und erreichen schließlich die Brücke nach Waterville.

Strecke: 72 km, Höhenmeter 985m

Wir essen wieder im "Sheilin", deren Wirtin uns schon beim Namen kennt.
Vorspeise: Crabclawns in Knoblauchbutter
Hauptspeise: Jakobsmuscheln mit Gemüse und Kartoffeln
Nach dem Essen bleiben wir heute alkoholfrei.

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Donnerstag, 29. Mai


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Frühstück bei allen vegetarisch mit Serials, Fruits, Joghurt und Toast mit Marmeladen. Heute starten wir pünktlich um 9.30 Uhr. Eine lange Tour steht bevor. Durch Waterville durch fahren wir auf einer leicht hügeligen Straße die beidseits von Steinmauern gesäumt ist. Stetig steigt sie schon an. Vor uns liegt der Beenarouke-Pass.
Nur etwas mehr als 200 m ist er hoch, aber wir starten bekanntlich bei fast Null und das Gepäck wiegt!
Zwei arhytmisch, fast im Stechschritt fahrende Radfahrer überholen uns. An der nächsten Kurve holen wir sie ein, sie machen Pause. Gleichmäßig steigt die kaum befahrene Straße immer höher, ein sagenhafter Ausblick auf die Ballinskelligsbay und auf die Berge des Vortags begleitet uns auf der rechten Seite.
Die linke Seite geht schroff nach oben, Schafe springen fressend auf die Straße.

Tag6bCoum Beenarouke-Pass (Bild laden)

Der Pass selbst ist mit einem Parkplatz mit Aussichtspunkt gekoppelt. Kurz davor halten wir und fotografieren endlos zurück ins Tal.
Jetzt fehlt mir ein Stativ und eine Panoramakamera! Kaum 100 m weitere halten wir erneut.
In Richtung Süden erscheinen die Scariff Island, Deenish Island und weiter kleine Inseln. Foto und Aussichtspause!
Jetzt beginnt die ersehnte Abfahrt nach Caherdaniel. Enge Kurven, vorbei an Felsen, unter uns die Darrynane Bay und an der schönsten Stelle ein Touristenhotel mit mehreren Bussen.
Ein keltisches Ringfort liegt strategisch wohlüberlegt an der Spitze eines Hügels.
Nach dem Ort überqueren wir eine Landzunge und halten wieder auf das Meer zu. Weiter geht es wieder an blühenden Rhododendronhecken vorbei nach Castle Cove.
Noch 17 km sind es bis Sneem, unserem geplanten Rastpunkt.
Langsam verlassen wir wieder das Meer und umfahren eine Bergkette, natürlich geht es wieder aufwärts. Pinkelpause am Pass, nicht wegen der Höhe, sondern weil hier ausnahmsweise Wald wächst.
Toll ist dann wieder die Abfahrt bis Sneem. Der Ort scheint irgendeinen "Award" für seinen guterhaltenen und gepflegten Ortskern erhalten zu haben.
Alle Häuser sind sauber gerichtet, eine alte Steinbrücke überspannt einen Wasserfall mitten im Ort. Direkt daneben pflanzen wir uns verdientermaßen unter einen Sonnenschirm und essen Scones mit Tea. Leider fehlt die Double Creme.

Wasserfälle in Sneem (Bild laden)

Ein netter Hund bringt uns ins Gespräch mit seiner Herrin. Wir halten sie für eine Irin. Erst als ich in ihrem Laden ein Andenken kaufe und mir ein Wort nicht einfällt, korrigiert sie mich und wir erkennen unser gemeinsames Vaterland. Sie stammt aus Muggensturm, ist vor mehr als fünf Jahren ausgewandert und lebt in einem selbstgebauten, neuen Haus. Den Lebensunterhalt verdient sich die Familie durch Basteln von Andenken für allerlei Touristenläden.
Sie empfiehlt uns einen anderen, als den geplanten Weg zu fahren, da nach neuer staatlicher Verordnung alle Touristenbusse den Ring of Kerry im Gegenuhrzeigersinn umfahren müssen. Ab zwei Uhr nachmittags erreichen sie Sneem und fahren dann unsere geplante Strecke.
So geht's dann weiter an der Halbinsel Rossdohan Island vorbei das letzte Mal direkt am Meer entlang. Auf der rechten Seite, jenseits des tiefblauen Wassers die Berge der Beara-Halbinsel.
Bei "Black-Water-Bridge" zweigen wir auf eine Kleinststraße ab. Sie führt direkt am Fluß entlang an Standing Stones vorbei. Eigentlich ist sie nur ein befestigter Waldweg. Nach mehreren Kilometern, die Gruppe zweifelt schon, ob wir richtig sind, erreichen wir die R568 in Richtung Molls Gap.

Entlang der Straße blüht es tiefrot aus Fuchsienhecken, dazwischen gelber Ginster. Gleichmäßig, aber nicht zu steil schlängelt sich die Straße nach oben. Wieder Standing Stones, bizarre Anordnungen von künstlich geschichteten Steinen. Als wir den Barfinnihy Lough erreichen, wissen wir, es kann nicht mehr weit sein.
Oberhalb des Molls Gap liegt unser Pass und wir vespern hier zwischen gewaltigen Aussichten unseren obligatorischen Apfel.
Das Gipfelfoto ist Pflicht.

Vor dem Mols Gap (Bild laden)

Wir saugen die gnadenlosen Aussichten förmlich in uns und fahren dann gönnerhaft hinunter zum Molls Gap, dem tieferliegenden Pass, der Killarney und Kenmare verbindet. Auch er liegt traumhaft zwischen zwei Felsen und wir stehen auch hier nochmals zum Gipfelfoto zusammen.
Am Berghang entlang erreichen wir den Looscaunagh Lough in 190 m Höhe. Über einen Hügel erreichen wir einen sagenhaften Aussichtspunkt, den wir fälschlicherweise für Ladies View halten.
Tief im Tal sieht man hier die Seen des Killarney Nationalparks zwischen den Bergen liegen. Uns gegenüber das Gap of Dunloe. So schließt sich, zumindest von Weitem der Kreis um den Ring of Kerry.

Killarney Nationalpark(Bild laden)

Wir fahren weiter ab zum tatsächlichen Ladies View und wollen die Pause mit Teatime verbinden. Aber es ist 18.00 Uhr und das Cafe' wird im Moment geschlossen. Den Weg zu unserem B&B kann uns der Kellner noch erklären, aber ausschenken will er nichts mehr. Eigentlich sind wir am Ziel, sehen schon, wo wir heute Nacht bleiben werden und denken, es geht nur noch bergab.
Jetzt beginnt das mentale Chaos: jeder kleine Hügel wird zur Last, weil wir gedanklich eigentlich doch schon am Ziel sind.
Kopf hoch, sagt der Verstand.
Meterhohe Wälder aus rosa blühenden Rhododendronhecken rechts und links des Weges.

Irgendwann zweigt der Weg zu den Torc's Wasserfällen ab. Super!
Kurz darauf sind wir am Ziel und treffen unsere automobilen Begleiter wieder.

104 km und 905 Höhenmeter.

Wir essen in Killarney im O'Leary's Flesk, Touristenort, sehr geschäftig
Vorspeise: Gemüsesuppe
Hauptgericht: Lachskotelett

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Freitag, 30. Mai


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Mit dem Auto über das Molls Gap nach Kenmare und weiter bis Lauragh, dann mit dem Fahrrad ohne Gepäck weiter.
(Es ginge auch direkt von Killarney die Beara-Halbinsel zu umrunden. Zwei Tage müssten dann aber eingeplant werden)

Eine kleine Straße führt über den Ovenshagh River. Hier ist es richtig einsam! Die Straße ist schmal, zwei Autos kommen nicht ohne Halt aneinander vorbei. Zunächst steigt der Weg durch von Hecken gesäumte Gebiete, dann wird er offener und die Sicht nach unten wird frei.
Der Healy Pass liegt in der Ferne vor mir. Links unten schimmert der Glanmore Lake mit seinen kleinen blühenden Inseln. Auf der rechten Seite, dem Bergmassiv, wird es immer karger.
Fast nur Fels, kaum Vegetation.
Zwei Fahrradfahrerinnen kommen bergab. Der Weg steigt gleichmäßig, ab und zu passiere ich eine Steinbrücke über kleine wasserfallartige Bäche. Es fällt schwer, nicht zu fotografieren.
Eine Aussicht schöner als die andere.

Glanmorelake (Bild laden)

Oben an der Passhöhe zwängt sich die Straße durch zwei Felsen. Ich bin da!
Grandios der Ausblick auf die Südseite, die Straße führt dort in zahlreichen Serpentinen bergab.
Die Nordseite - meine Anfahrt - war vom technischen Aufwand her weit weniger aufwendig, steil und direkt.
Kaum stehe ich, sehe ich einen Kleinbus die Serpentinen hochkommen. Er hält nicht weit von mir, ich werde mehrmals fotografiert, bevor die Touristen im Andenkenladen beim Pass verschwinden und dort die typisch irischen Waren aus Schaf-Fellen, Wolle usw. kaufen.
Dann geht's bergab. Schade, dass die grobe Oberfläche des Straßenbelages eine schnelle Abfahrt verhindert. Schlaglöcher und der Hinweis auf Bauarbeiten fordern oft, zu bremsen.
Adrigole heißt die Küstenstadt, die vor mir liegt.
Vergebens suche ich nach einem Bankautomat, aus dem ich meine Geldreserven wieder auffüllen könnte. Der Geldbeutel liegt auf dem Rücksitz des Autos.
Die Fahrt geht dann weiter auf einer gut ausgebauten, aber wenig befahrenen Straße in Richtung Westen.
Leichter Wind kommt von hinten. Was gibt es Schöneres.
Hier denke ich noch, außer Landschaft und dem knapp über 300 m hohen Pass war es das für heute. Ich sollte mich irren.

Casteltown-Bearhaven erreiche ich als nächstes. Geschützt liegt ein netter, gemütlicher Hafen in einer Bucht, nur ein schmaler Zugang zum Meer. Die Industrie ist versteckt auf einer Insel in der Bucht, es sieht hier so fremdartig technisch aus.

Casteltown-Bearhaven (Bild laden)

Im Ort gibt es eine Bank und die Scheckkarte wandert in den Automaten. Die Suche nach einem kleinen Café oder einer Gartenwirtschaft findet ihr Ziel in der "Old Bakery". Mehrere, ziellos herumirrende junge Mädchen versuchen, drei Kunden zu bedienen. Jede macht alles. Ich bestelle einen Cheese-Cake: wahrscheinlich die Vorlage zu unserem "Kaltem Hund", ein Boden aus Nüssen, Honig usw. darüber eine Schicht aus eingedickten Kirschen und darüber eine Schicht mit aromatisiertem Frischkäse. Zusammen mit einem Irischen Cappuccino lasse ich ihn mir schmecken.

Beim Schloss Dunboy - die Landschaft ist herrlich - verzichte ich auf eine Besichtigung. Eintritt teuer und wenig Zeit! Es geht wieder bergauf. Von Null auf 150 m. Dann geht es gleich wieder bergab.
Links von mir wieder das offene Meer. Herrlich! Rechts die Landschaft äußerst karg. Lange Felsen ragen in paralleler Richtung zur Halbinsel aus dem Boden. Pferde - im Verhältnis zu den unzähligen Schafen - ein seltener Anblick, grasen und schauen neugierig auf den einsamen Radler.
Die Gegend wird immer einsamer und bizarrer. Über dem tiefblauen Meer liegt fern ein leichter Dunst.

Bei Canalough erstreckt sich eine kleine Halbinsel mit Leuchtturm ins Meer. Bei Killough, kurz vor dem Bealbarnish Gap muss ich mich entscheiden, ob ich den angestrebten, äußesten Punkt der Beara noch anfahre. Bei der Abfahrt in Lauragh hatte ich meine Stoppuhr auf Null gestellt, und mir eine späteste Rückfahrzeit gemerkt, um bei Halbzeit umdrehen zu können.
Die Uhr zeigt: noch viel Zeit.
Den Weg von hier ab, muss ich auf derselben Straße zurückkehren, denn es gibt nur noch eine Straße auf der schmalen Halbinsel. Recht hügelig fahre ich durch eine Traum-Landschaft. Nur zwei Bauern, die, jeder auf seiner Seite der Mauer des eigenen Grundstückes, miteinander reden. Kommunikation zwischen Steinmauern.
Bei Scrivoge geht es zum Firkeel-Gap, einem Minipass.

Tag7bRahi Und ab gehts es zum Meer (Bild laden)

Gnadenlos blau erscheint hier der Garnish-Strand. Es begegnet mir ein Tourist und begrüßt mich mit einem "Great". Wahrscheinlich säße auch er lieber auf einem Fahrrad.
Über einen Hügel erreiche ich auf einer steil abfallenden Straße das auf Meereshöhe liegende Ballagboy.
Hier hört Irlands Festland auf. Auf einer Insel liegt das felsige "Dursey Island" vor mir.

Ein Schild Moskau 2300 km, New York 7000 km zeigt mir ziemlich genau, wo ich bin: am "Arsch der Welt".

Über zwei gewaltige Masten ist ein Seil vom Festland zur Insel gespannt, eine Gondel ("Cable Car") fährt im Stundentakt zur Insel und zurück. Das Glück will, dass ich die Ankunft einer Gondel miterlebe. Nur ein älteres Ehepaar steigt aus, wahrscheinlich Wanderer, die den Tag auf der Insel verbrachten.

Dursey Island (Bild laden)

Zur Feier des Tages esse ich meinen Apfel und trinke an der Seilstation ein Wasser für 70 Pennys. Jetzt geht's über die Südküste Richtung Heimat. Auf dem Weg zurück treffe ich drei Damen auf Fahrrädern, die mich begleiten wollen. Als sie aber hören, wie weit ich noch fahren muss, ist das Thema beendet.
Zunächst wieder das Firkeel Gap, dann das traumhafte Bealbarnish Gap. Hier geht's steil nach oben und dann wirklich brutal nach unten. Warnschilder weisen darauf hin, dass am Ende der Bergabfahrt das Meer kommt.
Hier hat die Natur mit Farben nicht gespart:
Saftiges Grün der Wiesen, tiefes Blau des Meeres und alle möglichen Farben der Blüten. Niemand begegnet mir bis Allihies.
Ich entdecke dort einen Laden, den ersten seit über 40 Kilometern. Sogar Buttermilch gibt es zu kaufen, dazu Orangensaft und Wasser. Trinken, trinken und trinken!
Zufällig gesellt sich ein entgegenkommender Fahrradfahrer zu mir. Seit acht Jahren befährt er jeweils mehrere Wochen Irland mit einem speziell mit Federgabel ausgestatteten Rennrad. Er war fast schon überall, nur die Pässe Connor und Healy mied er seither wegen seines Gepäcks.
Jetzt beginnt eine schöne Tortur, eingeschnittene Buchten mit blauem Meer, teils mit angeschwemmtem Sand, teils nur Kiesel, jede für sich ein Traumziel, aber: Die Straße führt von Bucht über einen Berg zur nächsten Bucht, .... zur nächsten Bucht! Und immer rauf und runter. Hier gibt es Höhenmeter!
Schon seit einer geraumen Weile fahre ich an einem hohen Bergrücken vorbei, immer in der Hoffnung, ihn umfahren zu können, gefehlt: bei Reentrusk geht die Straße wieder bergauf, der nächste Gap wartet.
Oben angekommen habe ich einen riesigen Blick über die Küste von Kerry, den gestern gefahrenen Beenarouke-Pass und die der Kerry vorgelagerten Inseln. Die Straße führt über mehrere Hügel direkt am Meer entlang nach Eyeries.
Die Landschaft ändert sich langsam von felsig hügelig in gleichmäßigere lange Täler mit hohen Bergzügen. Sie wird sanfter und grüner.

Patchworkfelder (Bild laden)

Rhododendren, Fuchsien, Fingerhut und Lilien wechseln sich mit vielen Spielarten von Grün ab. Der Gegenwind bleibt, ich muss alles geben, damit mein Zeitplan aktuell bleibt. In Eyeries glaubt man im Ausstellungscenter von IG-Farben zu sein.
Kein Haus hat normale Farben, schreiendes Rot wie die Fuchsienbäume Tiefes Blau, wie das Meer, Gelb wie die Lilien und dazwischen alle anderen Farben, Hauptsache Farbe.
Einen ähnlichen, aber weniger stark ausgeprägten Eindruck hatte ich schon in Castletown-Bearhaven; überhaupt scheint die Beara noch mehr Farbe zu lieben, als Dingle und Kerry.
Relativ eben geht es etwas zurückgesetzt vom Meer nach Ardgroom. Den Wind im Gesicht und die Zeit im Nacken radle ich, was das Zeug hält, an Standing Stones und Stone Rows vorbei, ohne sie entsprechend zu würdigen.
Irgendwann muss ich mit mehr Zeit zurückkommen, das steht schon fest.

Ardgrom Harbour, so heißt die Bucht, erradle ich direkt an der Küste. Die Abendsonne lässt die Vegetation in Gelbgrün erscheinen, ein riesiger Kontrast zum blauen Meer. Stundenlang könnte man stehen bleiben.
Über ein lächerlich 60 m hohes Gap erreiche ich die Kilmakilloge Bucht. Dunkelblaue und rote Kugeln, als Schwimmer für die Austernbänke benutzt, liegen in mathematisch genauen Abständen auf dem glänzend blauen Wasser. Der erste Tribut an die Zivilisation - plötzliche Ordnung zur gewohnten wilden Rauheit.
Lauragh liegt vor mir. Es fällt mir schwer, mich nach so vielen Eindrücken zu entsinnen, wo das Auto steht. Laut Karte muss ich eine Flussmündung überfahren, dann käme Lauragh. Der Fluss kommt, aber kein Ort, nur weit verstreut ein paar Häuser.
Ich bin am Auto. Es ist 18.03 Uhr. Früher als ich dachte. Das Fahrrad ist schnell auf dem Heck-Träger verschnürt.

Ab nach Killarney. Bei Kenmare meldet sich Heike per Telefon: Kannst Du uns holen ... Klar, aber die geplant halbe Stunde bis Killarney zieht sich, weil ein LKW in einem schmalen Felstunnel hängen blieb und die Polizei in rückwärts ausleiten musste. Wir treffen uns beim Muckross-Hotel.
Leider ist wieder alles belegt und wir müssen, nach dem Duschen im "White Gate Hotel" essen.
Glücklicherweise finden wir das Restaurant nicht und landen im Pub.

Wir essen vorzüglich und günstig: Showder, eine Suppe mit Gemüsen und Seafood. Es schmeckt so gut, dass Heike sogar die Muscheln "schluckt", Hauptgang natürlich Fisch, schmeckt vorzüglich.

Sonnenuntergang (Bild laden)

Der einzige Haken, nach dem Duschen musste ich, weil nichts Anderes verfügbar war, auf die vermeintlich gute französische Sonnenmilch zurückgreifen. Eine übermäßige Augenempfindlichkeit mit einzelnen Tränchen waren die Folge, was mir den Namen "Captain Hook" eintrug.

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Samstag, 31. Mai

Frühstück um Acht, dann Demontage der Fahrräder. Kurzes Sonnenbad auf der Bank vor dem B&B.
Dann noch ein kleiner Abstecher in den Killarney National Park.
Um 11.00 Uhr geht es Richtung Shannon.
Natürlich checken wir wieder als Letzte ein.
Der Flug ist problemlos.

Wir alle sind restlos begeistert von Irland, seiner tollen Vegetation, seiner eindrucksvollen Landschaft und seinem - zumindest in unserer Zeit - grandiosen Wetter.
Nach so intensiven, positiven Eindrücken, ist es schwer - ohne enttäuscht zu werden - wieder zu kommen, aber wir werden es schon schaffen!

Unsere Fahrleistungen:

Kilometer Höhenmeter

1. Tag 92,0 km 965m

2. Tag 108,0 km 820m

3. Tag 92,0 km 990m

4. Tag 72,0 km 985m

5. Tag 104,0 km 905m

6. Tag 107,0 km 1370m


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