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Alpentouren: Fahrradtour Vom Vierwaldstätter See über den Gotthard an den Lago Maggiore

Gotthardradweg 



Stand: 14.11.2017

Wir planten den Start am Vierwaldstättersee in Luzern.
Die Anreise erfolgte schon am Vortag abends, um am nächsten Morgen früh starten zu können.
Obwohl für Deutschland schlechtes Wetter vorausgesagt war und es tatsächlich bei unserer Abfahrt schon regnete, trafen wir in Luzern bei sternenklarem Himmel ein. Temperaturen abends um zehn noch 25°C.

1. Tag: Luzern über den Gotthard bis Biasca
2. Tag: Biasca über Bellinzona bis Vogorno
3. Tag: Vogorno über den Monte Ceneri bis Lugano
4. Tag: Lugano zum Comer See

Die Karte dazu:

Veloland Schweiz Nr.3: Nord - Süd - Route

 

Trotz schon später Stunde, liesen wir es uns nicht nehmen, die wunderschöne Stadt mit ihren vielen Türmen zu besichtigen. Die historische Innenstadt zählt zu den schönsten der ganzen Schweiz.
Hohe, stolze mittelalterliche Steinhäuser, ehrwürdige Kirchen und die bekannten Holzbrücken, die einst zur Stadtbefestigung gehörten, begeisterten uns.
Wir werden die Stadt sicher einmal bei Tageslicht in Augenschein nehmen.

Luzern bei Nacht Luzern bei Nacht (Bild laden)

Auf Empfehlung unseres Zimmerwirtes nehmen wir den Weg östlich um den See, die ausgeschilderte Variante westlich um den See führt, über die Autofähre bei Niederdorf, sowieso wieder auf die östliche Seite.

Der Radweg folgt der normalen Straße und ist durch gelbe Markierungen vom Fahrweg getrennt. Verkehr herrscht wenig, es ist normaler Wochentag.

Durch Meggen, Weggis und Vitznau passieren wir schöne, gepflegte Orte und erreichen die Ostseite des Vierwaldstätter Sees mit seinen steilen Hängen.

Die Straße bleibt im Tal, überschreitet wohl hin und wieder einen Hügel, ist aber im wesentlichen eben.
Ständig bietet sich ein reizvoller Blick auf den einzigartig von Bergen umrahmten Vierwaldstätter See.

Durch kleinere Tunnels und Schutzdächer führt der Radweg über Brunnen und Sisikon zur Tellsplatte.
Schöner Blick und Möglichkeit zur Stärkung.

Das Ende des Sees erreichen wir bei Flüelen, einem ausgeprägten Touristenort.

Vierwaldstätter See bei Flüelen Vierwaldstätter See bei Flüelen (Bild laden)

Von dort führt der Radweg über die Reuss und folgt ihr auf der flußaufwärts rechten Seite bis Schattdorf.
Wir wechseln dort auf die linke Seite und radeln entlang von Feldern in die nächste Ortschaft.
Die Menschen, die uns hier per "Velo" oder zu Fuß begegnen, sind ausgesprochen freundlich.

Wir folgen der Beschilderung 3 (Nord-Südroute). Die Beschilderung ist durchweg in der bekannten schweizer Präzision ausgeführt.

In Erstfeld wechselt der Radweg wieder auf die rechte Seite und führt auf einem asphaltierten Wirtschaftsweg, rechts der Reuss, an mehreren Bauernhöfen vorbei, weiter.

Auf Wirtschaftswegen (Bild laden)

Gewaltig ragen die Berge rechts und links des Flusses in die Höhe.
Die grünen Wiesen sind frisch gemäht, es sieht so aus, als wäre die ganze Landschaft schon für den Sonntag gerichtet.

Ohne große Steigungen erreichen wir eine Station der Elektrizitätsgesellschaft.
Der Radweg zweigt hier auf die normale, alte Gotthardstraße nach Amsteg ab.

Vergessen sind nun die schnellen Gänge. Recht kernig führt die Straße am Hang entlang nach oben. Das Wetter ist trotz Septemberanfang recht warm und fast wolkenfrei.

Die Reuss hat sich hier schon recht tief in den Fels eingegraben und bildet ein tiefes, unbegehbares Tal. Die noch begehbaren Hänge, also der Rest des Tales, teilen sich die Eisenbahn, die Autobahn und die alte Straße.

Naturgemäß herrscht hier kaum Verkehr. Die Transitreisenden nehmen fast immer die wesentlich schnellere Autobahn. Nur einige Anlieger aus den nächsten Orten, denen die wohl zahlreichen Autobahneinfahrten immer noch zu weit entfernt sind, teilen sich die Straße mit einigen wenigen Touristen.
Ab und zu begegnen uns Oldtimer, deren Besitzer aus Nostalgie die alte Paßstraße fahren.

Amsteg Blick ins Tal bei Amsteg (Bild laden)

Nach Amsteg wird es zweimal richtig steil. Dafür entschädigt der schöne Blick auf das Tal. Tief eingegraben fließt die Reuss zwischen riesigen Felsblöcken.

Ab und zu kreuzt die moderne Trasse der Autobahn. Meist schwingen sich die modernen, teuren Brückenkonstruktionen in schwindelnder Höhe über die alte Fahrstraße. In deren Anblick versteht man die Notwendigkeit der Vignette.

Die Strecke bis Gurtinellen ist landschaftlich äußerst schön.

Schon von weitem weist die auf einem Hügel erbaute weiße Kirche von Wassen den Weg.
Wassen selbst hat eine sehr schöne Innenstadt.

Wassen Wassen und seine weiße Kirche (Bild laden)

Noch vor Göschenen überschreiten wir die 1000 m Marke.
In einer verdienten Pause genießen wir den Blick zurück ins Tal.

Bei Göschenen beginnt der 17 km lange Gotthardtunnel und die Trasse der Autobahn verschwindet im Berg.
Jetzt wird es richtig schön. Das seither schon nicht gerade breite Tal verengt sich noch mehr.

Am Hang Alles ist am Hang (Bild laden)

Einziger Wehrmutstropfen: Mehr Verkehr gesellt sich auf die alte Gotthardstraße.
Auch die Furka- und Oberalppassfahrer, die bis Göschenen die Autobahn nutzten, zweigen auf unsere Straße ab.
Nur die gelben Linien trennen uns auf der Straße vom normalen Verkehr. Es ist schon ätzend, wenn man unter voller Last am Berg von einem stinkenden Lastwagen überholt wird.

Vor der Teufelsschlucht Vor der Teufelsschlucht (Bild laden)

Die Straße klebt am Hang und in Serpentinen geht es steil nach oben. Im Flußbett finden sich Reste einer alten Steinbrücke. Pause und Foto!

Serpentine um Serpentine erklimmen wir den Berg und fragen uns innerlich: Muß das sein?

Bei der Teufelsbrücke, nach einer besonders steilen Passage, lohnt es sich zu halten.

Teufelsschlucht Die Teufelsschlucht (Bild laden)

Ein atemberaubender Blick von einer Aussichtsterasse senkrecht ins Tal zeigt uns, wie sich die wilde Reuss in den Fels gefressen hat. Fast wie die Via Mala!
Die enge Schlucht wird hier von drei Brücken überquert und der Fels von ebensovielen Tunnels durchbohrt.
Hinter uns beginnen drei Bergsteiger den Aufstieg auf einen fast senkrechten Felskamm.

Weiterfahrt auf dem Gehweg durch einen Halbtunnel. Kurz danach, auf 1447 m Höhe, endet vorerst die steile Bergfahrt und eine kleine Hochebene bei Andermatt bringt eine wohltuende Erholung.

Andermatt Andermatt (Bild laden)


Eine verdiente Pause in Andermatt wir eingelegt.
Historische Fachwerkhäuser und ein schönes Stadtbild laden zu einem Apfelschorle ein.

Hospendal Hospendal (Bild laden)

Bei Hospendal zweigt die Straße zum Gotthard ab. "630 Höhenmeter auf 9 km Länge" warnt das Hinweisschild für Radler.
Sehr steil führt die Straße am Hang des Winterhorns entlang.

Außer Radfahrern begegneten wir einem historischen Pferdefuhrwerk das Gäste in schmucker, alter Kleidung per Sechsspänner über den Gotthard bringt.
Wir bedauern die Pferde, weil wir nachvollziehen können, wie anstrengend der Aufstieg ist.

Fast oben Fast oben (Bild laden)

Nach gut sechs Kilometern steiler Auffahrt zweigt nach links ein Schild mit "Passo Gotthardo" ab.
Wir folgen dem historischen, alten Weg. Fast ohne Verkehr erreicht man auf dieser gepflasterten Straße die Höhe und schließlich den See am Gotthardpass. Die Gipfelstation ist Touristenattraktion. Viele Autofahrer halten hier um in einem der zahlreichen Gaststätten un Kiosken Pause zu machen.

Pause bei der Gipfelstation.

Radfahrer sind hier - zumindest Anfang September - noch Exoten und werden milde belächelt.

Nebel Nebel kommt auf (Bild laden)

Nach der Pause kommt plöztlich Nebel auf und die Temperatur sinkt auf 8°C.

 

Gotthardpass

Gotthardpaß Gotthardpaß (Bild laden)

Noch stärkerer Nebel zieht von Süden her und undurchdringliche Wolken steigen über die Berge.
Wir haben kaum noch Sicht und wollten eigentlich so vieles fotografieren! Wir fahren trotzdem los.

Die Abfahrt folgt dem alten, gepflasterten Weg. Unzählige Serpentinen, wie seinerzeit üblich - noch gepflastert, führen talabwärts.

Die Serpentinen der alten Straße (Bild laden)

Auf der Talfahrt treffen wir auf zwei nasse, bergauf radelne Rennradfahrer.
Leider setzt auch bei uns noch Regen ein, und außer der Angst in ein Schlagloch zu fahren, müssen wir aufpassen, nicht auf den rutschigen Steinen ins Schlingern zu geraten.

Regen Regen,Regen, Regen (Bild laden)

In Airolo treffen wir wieder auf die normale Paßstraße.
Die Befehlstöne der zahlreichen Kasernen dringen selbst durch die Nebel- und Regenwolken an unser Ohr.
Wir sind schon triefend naß. Die Temperatur liegt immer noch bei 8 °C.

In einem kleinen Cafe versuchen wir uns, unter mitleidigen Blicken der Besitzer, mit einem heißen Cappucino zu erwärmen.
Ein Wanderer, der unter demselben Wetter zu leiden hat, fotografiert uns.

Naß Wet Rats? (Bild laden)

Die Eisenbahn und später auch die Autobahn treten bei Airolo wieder ans Tageslicht.

Der ausgeschilderte Radweg führt jetzt meist auf der üblichen Straße dem Ticino entlang weiter talabwärts.

Zwischen Quinto und Faido passieren wir die herrliche Piottionoschlucht. Fast wie in der Via Mala stürtzt hier der Fluß durch enge Felsspalten.

Piottiono Die Piottionoschlucht (Bild laden)

Schade, daß es so stark regnet. Das Fortkommen ist uns hier wichtiger, als das Fotografieren. (Irgendwann wir das nachgeholt!!)

Kultureller Höhepunkt wäre, wenn es nicht regnete der Ort Gionico, wo 600 Ur-Schweizer das 10.000 Mann strake Heer der Mailänder besiegte. Dort findet sich auch die bedeutenste romanische Kirche des Tessins St. Nicolao und eine Herberge aus dem 16. Jahrhundert.

Gionico Gionico bei Regen (Bild laden)

Was wohl die Pferdekutsche mit Cabriolet, der wir kurz vor dem Paß gegeneten, bei diesem Wetter macht?

In Biasca wird uns der Regen doch zu viel und wir suchen ein Hotel.

 

Biasca

Wir finden eine Unterkunft und duschen recht heiß und lang. Der Regen nimmt noch weiter zu und wir essen im Hotel das obligatorische Menü:
Hausgemachte Ravioli, Schweinebraten mit Rosmarin und Kartoffeln, Dolce, dazu einen Merlot.
Die Nacht wird unruhig, Gewitter und starker Regen; endet unsere Tour hier?

Nach dem Aufwachen, wissen wir: Es ist aus!
Es schüttet, wie mit Kübeln!
Frühstück mit gemischten Gefühlen. Was tun?

Wir legen vorerst einen Einkaufstag ein. Erst sollen es neue, wasserfeste Schuhe sein, dann die versprochenen Gartensaaten: Rucola und Nüsslisalat für die Mutter.
Nach dem Einkauf trauen wir unseren Augen nicht!. Der Himmel reißt auf und die Sonne sticht mit einer Allgewalt hinter den Wolken vor.
Wir entscheiden, erst die neuen Wanderschuhe anzuziehen und den bekannten Kreuzweg oberhalb Biascas nachzuwandern und dann mit dem Rad weiterzufahren.

Biasca Über Biasca (Bild laden)

Der Kreuzweg startet an der aus dem 11. Jahrhunder stammenden Kirche San Pietro e Paolo und führt an zahlreichen Kreuzstationen vorbei zu einer antiken Kirche oberhalb eines zweistöckigen Wasserfalls. Eine selbstvergessene Frauengruppe jüngeren Alters steht an der mittelalterlichen Kirche und meditiert.

Die Stationen auf dem Kreuzweg sind für ihren künstlerischen Wert bekannt.
Entlang von Alleen aus Eßkastanien- und Feigenbäumen wandern wir weiter. Die Aussicht auf das Tal ist gewaltig.

Biasca Vom Kreuzweg aus (Bild laden)

Die umliegenden, höheren Berge sind schneebeckt. Wir hatten sicher großes Glück, den Gotthardpass schon gestern überquert zu haben. Auf der Rückfahrt bestätigen uns die Zöllner auf dem Splügenpaß, daß in jener Nacht auch dort schon Schnee fiel.

Etwas verwirrend beschildert, führt der Radweg unter der Autobahn durch, zurück auf die talabwärts rechte Seite des Ticino.
Die Ausschilderung führt erst auf einer Straße, dann ab dem nächsten Ort, auf einem Wirtschaftsweg weiter.

So hatten wir es uns vorgestellt, leicht bergab, Sonne und knapp 30°C!

Die Talsohle ist in diesem Abschnitt etwas breiter, rechts und links erheben sich die Berge des Tessins. Traumhaft!

Bei Lodrino führt der Radweg unter der Autobahn hindurch an die Ufer des Ticino. Eine Irrfahrt zwischen Pfützen und Schlaglöchern hindurch beginnt. Der starke Regen fordert hier sein Tribut.
Bei Moleno geht es wieder auf einem Wirtschaftsweg auf die rechte Seite der Autobahn.

In den Bergen sehen wir zahlreiche Granitsteinbrüche, deren unverwüstlicher Fels meist zu Gehweg- und Randsteinen verarbeitet wird.

Granit Granitsteinbrüche in den Bergen (Bild laden)

Beim Ort Claro wechselt der Radweg über eine Brücke auf einen Wirtschaftsweg mitten ins Ticinotal links des Flusses.
Die Talsohle ist hier eben und schon recht breit. Fruchtbar scheint die Gegend zu sein.
Entlang von Feldern und Pferdeweiden erreichen wir Castione.

Pferde Saftige Wiesen (Bild laden)

Hier trifft auch der Radweg Nr. 6 St. Bernadino aus dem Moesatal zu uns.
Direkt am Ticino entlang fahren wir nun an Campingplätzen vorbei nach Bellinzona.


Bellinzona

Bellinzona Die Festungen Bellinzonas (Bild laden)

Weil es noch zu früh für ein Etappenende ist, entscheiden wir kurzfristig, in Richtung Locarno weiterzufahren.
Der Radweg führt auf dem Hochwasserdamm etwas holprig weiter.
Über Vororte Bellinzonas erreichen wir Giubiasco.
Pause.
Apfelsaftschorle gibt es nicht. "Tessiner Most" ein teilvergorener Süßmost
aus Äpfel und Birnen mit etwas Alkohol, verdünnt mit einem Aqua Minerale, tut dasselbe.

Der ausgeschilderte Radweg folgt einem asphaltierten Wirtschaftsweg bis Gudo. Hier überqueren wir auf einer Brücke den reissenden Ticino und radeln durch das "Piano di Magadino" auf Locarno zu.
Ein Naturschutzgebiet im Mündungsdelta des Ticino und des Verzasca bietet den zahlreichen Vögeln Schutz.

Lago Maggiore Lago Maggiore (Bild laden)

Traumhafte Blicke auf die angrenzenden Berge. Temperaturen wie im Sommer!
Hier könnte man bleiben!

In Tenero fällt uns das reizvolle Verzascatal ein. Das Rezept einer Suppe hatte uns ursprünglich auf das Tal aufmerksam gemacht. Nach näherer Erkundigung stellte sich ein wirklich sehenswertes Gebirgstal heraus, das wir selbverständlich einmal sehen wollten.

Von Tenero geht es etwas bergauf nach Gordola und dann steil bergan ins Vercascatal nach Vogorno. Übernachtung und Abendessen.

-> Verzascatal Verzascatal

Stausee Stausee in Vogorno (Bild laden)

Wir übernachten im "Restorante al Lago".
Saltimbocca mit Risotto von Rucola und Bärlauch schmecken außergewöhnlich gut! Merlot aus dem Verzascatal ist auch nicht von schlechten Eltern. Weil wir vom Essen so begeistert sind verrät uns die Chefin das Rezept.
Wer das Rezept möchte, soll uns bitte eine E-Mail schicken!

Locarno liegt nur vier Kilometer weiter direkt am Lago Maggiore.
Hier beginnt das mediterane Leben richtig. Alles und jedes wird auf der Straße ausgetragen: Man ißt im Freien vor den zahlreichen Cafes und Ristorantes, man redet auf den Piazzen.
Die Stadt ist wirklich eine Reise wert.

Locarno

Locarno Locarno bei Nacht (Bild laden)

Weiter gehts über den Monte Ceneri nach Lugano und anschließend nach Menaggio am Comer See.

Es war super! Zahlreiche Radfreunde fuhren dieselbe Tour zwischenzeitlich nach und waren durchweg begeistert.

 

Anschlusstour



Radweg um den Lago Maggiore

2. Etappe: Von Chur nach San Bernardino

1. Etappe: Von Lindau nach Chur

Vierwaldstätter See - Rundtour

Maggiatal von Maggia bis Fusio

Verzascatal

Alpentouren

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